Einleitung
Friday, 23. November 2007 | Autor: ikonoskop
Nach nun drei Wochen der erste Eintrag zum Thema.
Ikonoskop ist die Bezeichnung unter der wir den Versuch zusammenfassen youtube zu kuratieren.
Unbestritten hat auch mich das Phänomen erfasst. Eigentlich stand ich bis vor kurzem dem ganzen Web 2.0 Hype eher skeptisch gegenüber. Als ich zum ersten Mal meinen amerikanischen Untermieter myspace benutzen sah dachte ich “das ist ja unglaublich, das hat bestimmt das FBI ins Netz gestellt”. Es kam mir wie eine ins Groteske gesteigerte Umsetzung der frühen NetzUtopien vor. Begriffe wie Kommerzialisierung und Kontrolle, so dachte ich, können dies nicht einmal annähernd beschreiben, was da mit dem Netz passiert ist.
Natürlich stellte sich die Frage, ist das mit dem Netz passiert oder ist es nicht eher so, dass die Technik, ihre Erscheinung, ihre Ausformung nur das Ergebnis unserer Art und Weise zu sein ist – was ist uns da passiert? Nun das wird hier jetzt erst einmal zurück gestellt werden müssen. Doch gleichzeitig, neben der Pervertierung der oben angesprochenen NetzUtopien, fühlte ich mich an eine andere utopische Perspektive erinnert, die sich hier jedoch, möglicher Weise, einlöste. Ließe sich nicht Joseph Beuys parolenartiges Statement „Jeder Mensch ist ein Künstler“ wenn nicht sogar sein etwas einschränkend gemeinter Begriff der „sozialen Plastik“ auf die Aktivitäten der „Web 2.0 Jünger“ übertragen und am Beispiel youtubes demonstrieren?
Diese Überlegungen, verknüpft mit dem Gefühl der Ausgeschlossenheit (aus dem Kunstbetrieb) und einer Priese „trotzalledem“ (nicht mit mir) und unterstützt durch die Beobachtung, dass eine reine urteilsbasierende Ästhetik zwar soziale Positionen sichert und monetären Wert generiert, aber nicht annähernd den Phänomenen unserer von Medien geprägten Welt gerecht wird, führte zu dem Entschluss Ikonoskop „einfach zu machen“. D.h. eine Ausstellung zu kuratieren – sich bewusst dem Widerspruch auszusetzen, einerseits Urteile zu fällen und zu selektieren, andererseits aber gleichzeitig diese Mechanismen kritisieren zu wollen. Üblicher Weise werden Prozesse die zur Selektion führen verdeckt und möglichst verunklärt. Im Projekt Ikonoskop sollte dies nicht geschehen. Gerade im Gegenteil subjektive und persönliche Perspektiven und Haltungen sollen gerade thematisiert werden. So lag es nahe die Form der Ausstellungsentwicklung und -organisation selbst im auszustellenden Material einzupassen. So erscheint nun Ikonoskop in doppelter Hinsicht als ein schon zum Beginn gescheitertes, oder zu mindest zutiefst widersprüchliches Unterfangen …
Youtube.com/ikonoskop stellt die bisherigen Sichtungen als Playlisten zusammen.
Ikonoskop.atdigital.org versucht die Entscheidungsprozesse, Recherchen und Reflektionen zu dokumentieren.
Der Flockbrowser bot sich als geeignetes Werkzeug an, welches (wie die Schreibwerkzeuge an den Gedanken mit arbeiten) den Web 2.0 Overkill ermöglicht.
Voraussichtlicher Ausstellungstermin: 30.01.2008 – 02.02.2008
Ort: noch nicht bekannt
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Tags: ikonoskop, youtube, netvideo, ausstellung, prolog
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